800 Geflüchtete aus der Ukraine neu bei der Tafel

800 Geflüchtete aus der Ukraine neu bei der Tafel

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine suchen immer mehr Geflüchtete Hilfe bei der Tafel.  Während die Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Solingen aufgenommen wurden, bei gut 1000 liegt, haben sich bei der Tafel bereits fast 800 Menschen registriert, darunter an die 300 Kinder. Bei den Geflüchteten handelt es sich in der Regel um Mütter mit ihren Kindern, doch auch ältere Menschen suchen Schutz.

Hinzu kommt derzeit auch eine zunehmende Zahl an Bedürftigen aus Solingen, die wegen steigender Energie- und Lebensmittelpreise mit ihrem Einkommen nicht mehr auskommen.

Dennoch soll es keinen Aufnahmestopp geben, wie ihn bereits Tafeln in der Umgebung verhängt haben. Die Lebensmittelspenden der Supermärkte, Discounter und Einzelhändler sind in diesen Krisenzeiten wichtiger denn je geworden, da immer mehr Menschen auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. Auch die Spendenbereitschaft der Solinger ist groß, so helfen viele mit, den Menschen in ihrer Not beizustehen.

Neues MediMobil nimmt Fahrt auf

Neues MediMobil nimmt Fahrt auf

Größer und moderner, mit rutschfestem Boden, Standheizung und drehbaren Behandlungsstühlen ausgerüstet, ist das neue Medimobil. Das  rollende Untersuchungszimmer ist solide auf das Chassis eines Mercedes Sprinter gebaut. Ab sofort fährt es wieder jeden Dienstag durch Solingen und beginnt seine Tour gegen 17 Uhr am Tafelladen an der Ernst-Woltmann-Straße.
Das neue Medimobil hat einen Anschaffungspreis von 80 000 Euro und konnte mit Hilfe vieler Spender gekauft werden. Allen voran die Meyer Stiftung, die Stadt-Sparkasse, die Firma Walbusch und der Lions Club jeweils mit fünfstelligen Beträgen.

Mit dem neuen Fahrzeug kommt auch eine neue Medimobil-Leitung. Dr. Christoph Zenses, der mit der von ihm gegründeten Medizinischen Hilfe Solingen auch die rollende Praxis betrieb, gibt den Staffelstab ab an Dr. Annegret Wagner von der Hausarztpraxis Vereinsstraße. Sie wird zusammen mit 15 weiteren Ärztinnen und Ärzten des Netzwerks Solimed das Medimobil künftig betreiben. Unterstützt von speziell eingewiesenen ehrenamtlichen Fahrern des DRK Solingen, deren Einsatz wiederum von Holger Migdalek koordiniert wird.

In den Ruhestand als Ehrenamtler geht Dr. Christoph Zenses derweil nicht. Neben der Praxis ohne Grenzen und der Arbeit als stellvertretender Vorsitzender der Tafel Solingen ist er der Motor von „Solingen hilft“, einem Verein, der Flüchtlingshilfe im Ausland voranbringt. Dabei soll auch das alte Medimobil als mobile Krankenstation auf der Insel Lesbos wieder zum Einsatz kommen.

Das Medimobil ist der Tafel Solingen angegliedert. Es wird immer dienstags neben dem Tafelladen auch an anderen Stellen in der Stadt ein niederschwelliges medizinisches Angebot machen. 20 bis 30 Patienten werden so Woche für Woche erreicht. Die Metzgerei Steimel gibt dem Medimobil ab sofort jede Wochen kostenlos belegte Brötchen mit auf den Weg.

Im Rahmen der Pandemiebekämpfung fährt das Medimobil außerdem bald als rollende Impfeinheit durch die Klingenstadt. Die freiwilligen Impfteams werden pflegebedürftige Senioren, die zuhause leben, mit Impfstoff versorgen.

Tafel freut sich über neues Fahrzeug

Tafel freut sich über neues Fahrzeug

Einen neuen Mercedes Vito stellt die Tafel Solingen in Dienst. Auf das Fahrzeug, das künftig beim Einsammeln der Lebensmittel eingesetzt wird, gewährte die Herstellerfirma Mercedes rund 40 Prozent Rabatt, außerdem konnte die Firma Lidl als Sponsor gewonnen werden.Der neue Vito ersetzt einen zwölf Jahre alten VW T5, der jetzt an eine notleidende Tafel im Bundesgebiet weitergegeben wird.

Insgesamt stehen der Tafel Solingen drei Fahrzeuge zur Verfügung. Neben dem Mercedes sind zwei ältere VW T5 im Einsatz. An fünf Tagen in der Woche sammelt die Tafel mit diesen Lieferwagen Lebensmittel im Solinger Stadtgebiet ein, die von Supermärkten, Discountern, Lebensmitteleinzelhändlern und Bäckereien zur Verfügung gestellt werden. Zirka 20 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer sind morgens ab 9 Uhr auf Solingens Straßen unterwegs, um die Ware abzuholen, die ab 15.30 Uhr im Tafelladen an der Ernst-Woltmann-Straße verteilt wird.

Die Zahl der Bedürftigen wächst derzeit von Woche zu Woche. Zum einen durch die steigenden Lebensmittelpreise, die viele Familien, Rentner und Alleinerziehende in finanzielle Notlagen bringen, zum anderen durch die wachsende Zahl von Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind und ebenfalls von der Tafel versorgt werden.

Unterstützer sind unbezahlbar

Unterstützer sind unbezahlbar

Ohne Menschen, die ehrenamtlich für die Tafel arbeiten, könnte die Versorgung der Bedürftigen nicht aufrechterhalten werden. Doch auch finanzielle Unterstützung ist nötig, wenn es zum Beispiel um den Unterhalt der Fahrzeuge, die Miete für den Tafelladen und einiges mehr geht. Neben bundesweiten Tafel-Förderern kommen in Solingen zahlreiche private und geschäftliche Spender hinzu.

In Solingen wird die Tafel seit ihrer Gründung von der Friedrich-Schumacher-Stiftung unterstützt, die die Miete für den 360 Quadratmeter großen Tafelladen an der Ernst-Woltmann-Straße übernimmt. Gefördert wird die Tafel auch von anderen Stiftungen. Rund 40 Geschäfte, Supermärkte und Bäckereien geben Lebensmittel an die Tafel ab. Die Firmen Led Lenser, Brangs und Heinrich, Schwanen Apotheke, Druckerei Leonhard Grethlein, Kuhrt Kommunikation, die Kiwanis, die Lions und das Ärztenetzwerk solimed spenden ebenfalls regelmäßig.

Bundesweit werden die Tafeln unter anderem vom ADAC unterstützt (Schutzbrief und Rechtsschutzversicherungen für Tafelfahrzeuge), Vodafone (Grundgebühren für Tafel-Handys) und Continental (Reifen für Tafel-Fahrzeuge).

Weitere Förderer sind willkommen.

Ausgezeichnetes Engagement

Ausgezeichnetes Engagement

Die Arbeit von Aktiven der Tafel blieb in der Öffentlichkeit nicht verborgen und wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Den Anfang machte Vorsitzende Brigitte Funk, die aus den Händen des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhielt. Auch der zweite Vorsitzende, Dr. Christoph Zenses, wurde für seinen Einsatz geehrt.

In der Begründung der Staatskanzlei heißt es zur Verleihung des Verdienstordens an Brigitte Funk: Den Überfluss auf der einen Seite und den Bedarf auf der anderen Seite ausgleichen, dafür macht sich Brigitte Funk stark. Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, viele leben im Überfluss, Lebensmittel werden vernichtet. Dass Menschen andererseits Hunger haben, dürfen wir nicht hinnehmen. Der Einsatz für die Tafeln dokumentiert dieses Engagement. Es sind diese Einsätze für Andere, wie der von Brigitte Funk, mit denen wir unsere Gesellschaft lebenswert machen. Brigitte Funk beklagt Missstände nicht, sondern hilft sie abzuschaffen.

Die vom zweiten Vorsitzenden der Tafel Solingen, Dr. Christoph Zenses, ins Leben gerufene Solinger Medikamententafel sowie das Medimobil mit seiner niedrigschwelligen medizinischen Hilfe wurden mit dem Aspirin-Sozialpreis gewürdigt. 2017 dann mit dem NRW Gesundheitspreis.

Eine weitere Auszeichnung, den Silbernen Schuh, verlieh das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage dem Solinger Mediziner. Er wurde im Mai 2018 Dr. Christoph Zenses für seine herausragende ehrenamtliche Tätigkeit für hilfsbedürftige Menschen in Solingen wie auch bei internationalen Einsätzen verliehen. In seiner Begründung erklärte der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach: Dr. Zenses ist ein echter Menschenfreund, der Elend bemerkt und sich für zuständig erklärt.

Im Juni 2018 dürfen sich die Tafel-Kollegen mit Dr. Christoph Zenses außerdem über den mit 1000 Euro dotierten Bürgerpreis von Solinger Tageblatt, der Stadt-Sparkasse und Radio RSG freuen. Der Mediziner wurde unter fünf nominierten ausgewählt in Würdigung seines ehrenamtlichen Engagements.

Das Jahr 2018 endet mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Dr. Christoph Zenses für sein jahrzehntelanges medizinisch-soziales Engagement in vielen Solinger Projekten.